Hustensaft gegen Agitiertheit bei Alzheimer-Demenz

Unruhe und Aggression sind nicht nur für die Betroffenen, sondern gerade für die Betreuer von Menschen, die an einer Alzheimer-Demenz erkrankt sind, eine besondere Belastung. Diese Symptome, die auch Angst, Irritierbarkeit, Depression, Apathie, Enthemmung, Wahn und Halluzinationen sowie Störungen von Schlaf und Appetit umfassen, werden im englischen Schrifttum als Behavioral and Psychological Symptoms of Dementia (BPSD) zusammengefasst. Weiterlesen

Alzheimergate – oder: wie aus Sensationslust die Alzheimer-Demenz ansteckend wurde

In der aktuellen Ausgabe des renommierten britischen Medizinjournals Lancet (publiziert am 19. September 2015) erschien ein bemerkenswertes Editorial mit dem Titel „Alzheimergate? When miscommunication met sensationalism“ (übersetzt etwa: „Alzheimergate: Wenn Fehlkommunikation und Sensationslust zusammenkommen“). Darin wird Bezug genommen auf einen Artikel, der am 10. September 2015 im nicht minder renommierten Wissenschaftsmagazin Nature publiziert wurde, und der für viele Journalisten offenbar nahelegte, dass die Alzheimer-Krankheit von Mensch zu Mensch übertragbar, also ansteckend, sei. Was war geschehen? Weiterlesen

Erhöhter Blutzucker erhöht das Demenzrisiko – auch ohne Diabetes mellitus

In der aktuellen Ausgabe des New England Journal of Medicine berichtet ein Konsortium von Wissenschaftlern aus Seattle und Boston über ihre große Longitudinalstudie zum Zusammenhang zwischen Blutzucker und Demenzrisiko (Crane et al., N Engl J Med 2013; 369: 540-548). Weiterlesen

Aktuelles zu Demenzen: Prävention, Früherkennung, Behandlung

Am 15. Mai 2013 habe ich im Rahmen des Seniorenstudiums an der RWTH Aachen eine Vorlesung zum Thema “Aktuelles zu Demenzen: Prävention, Früherkennung, Behandlung” gehalten. Das Interesse war riesig, der Hörsaal war mit mehr als 200 Zuhörern bis in die letzte Reihe gefüllt. Weiterlesen

Arzneiverordnungsreport 2012: Antidementiva

Die „Antidementiva“ werden im Arzneiverordnungsreport 2012 nicht unter den „Psychopharmaka“ (siehe dazu meine Posts vom 9.11.2012, vom 16.12.2012 und vom 19.1.2013) behandelt, sondern in einem eigenen Kapitel. Dieses wurde auch nicht von Martin Lohse und Bruno Müller-Oerlinghausen, sondern von Ulrich Schwabe, einem der beiden Herausgeber des Arzneiverordnungsreports, verfasst. Das hat dem Kapitel gut getan, denn es ist im Gegensatz zum Kapitel „Psychopharmaka“ durchgehend sachlich und wissenschaftlich verfasst.

Die Verordnung von Antidementiva hat sich in den letzten zehn Jahren deutlich gewandelt. Weiterlesen

„Repositionierung“ von bereits zugelassenen Medikamenten für die Behandlung der Demenz vom Alzheimer-Typ

Die medikamentöse Behandlung von Patientinnen und Patienten mit einer Alzheimer-Demenz ist derzeit lediglich mit drei Acetylcholinesterase-Hemmern (Donepezil, Galantamin, Rivastigmin) und dem NMDA-Antagonisten Memantin möglich. Diese Substanzen führen zu einer symptomatischen Besserung von bis zu 12 Monaten Dauer (nach neuesten Ergebnissen sogar bis 24 Monate, siehe dazu meinen Post vom 13.12.2012). Sogenannte krankheitsmodifizierende Therapien sind leider nach wie vor nicht verfügbar. Im Gegenteil musste die pharmazeutische Industrie in der letzten Zeit zahlreiche zum Teil herbe Rückschläge bei der klinischen Prüfung neuer derartiger Therapien hinnehmen. Trotz des enormen wirtschaftlichen Potentials, das ein neues Medikament hätte, das den Krankheitsprozess verzögert, befinden sich wegen des hohen wirtschaftlichen Risikos, das diese Forschung darstellt, derzeit nur wenige Substanzen in der klinischen Prüfung der Phasen II und III (gegenüber weit mehr als 1000 Medikamenten gegen Krebserkrankungen). Weiterlesen

Berichte vom 51. ACNP-Kongress — IV. Galantamin vermindert die Mortalität bei Alzheimer-Demenz

Heute möchte ich erneut vom 51. Kongress des amerikanischen College of Neuropsychopharmacology (ACNP), 2. – 6. Dezember 2012 in Hollywood, Florida, berichten, obwohl der Kongress bereits beendet ist. Die Studie wurde als Poster präsentiert, sie hätte es aber meines Erachtens in die „Highlights“-Session bringen müssen, in der leider die präklinischen Arbeiten dominierten (siehe dazu mein letztes Posting vom 4.12.2012).

Acetylcholinesterase-Hemmer stehen auch in Deutschland noch immer in dem Ruf, bei Patienten mit einer Demenz vom Alzheimer-Typ von zweifelhaftem Nutzen zu sein. Ihre Wirkung sei begrenzt und stehe in keinem vernünftigen Verhältnis zu den unerwünschten Wirkungen und den Kosten. Weiterlesen

Mäßige körperliche Aktivität reduziert das Demenzrisiko

In der neuesten Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Stroke konnte ein europäisches Forscherkonsortium, zu dem auch eine deutsche Gruppe gehört (Neurologische Klinik der Universität Heidelberg am Klinikum Mannheim), erneut zeigen, dass schon sehr mäßige körperliche Aktivität das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, deutlich senkt (Verdelho et al., Stroke 2012, im Druck).

In der LADIS (Leukoaraiosis and Disability) -Studie wird prospektiv die Bedeutung von computer- oder kernspintomographischen Veränderungen der weißen Substanz für die spätere Entwicklung von Behinderung untersucht. Leukoaraiosis beschreibt diffuse Auffälligkeiten der weißen Substanz, wie sie in CT- oder MRT-Untersuchungen oft als Zufallsbefund auch bei Gesunden beobachtet werden. In den letzten Jahren ist zunehmend klar geworden, dass solche Veränderungen bei Menschen mit vaskulären Risikofaktoren gehäuft auftreten und eine gewisse Bedeutung auch für die Entwicklung zerebrovaskulärer Erkrankungen und Demenzen zu haben scheinen.

In der jetzt erschienenen Publikation Weiterlesen