Ist ein Euro gegen Depression zuviel?

Vor kurzem habe ich einem Redakteur der Initiative “Pharma Fakten” (www.pharma-fakten.de, laut Website eine “Initiative von Arzneimittelherstellern in Deutschland”) ein kurzes Interview zur Marktrücknahme von Vortioxetin in Deutschland gegeben. Ausgangspunkt war die Frage, ob die Behandlung von Patienten mit Depression mit einem neuen Antidepressivum den Krankenversicherungen nicht Tagestherapiekosten von einem Euro wert hätte sein müssen. Weiterlesen

Was bedeutet das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) für die Psychopharmakotherapie?

In der April-Ausgabe des “Nervenarzt” habe ich einen Artikel mit dem Titel “Bedeutung des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes für die Psychopharmakotherapie” veröffentlicht (Nervenarzt 2016; 87: 356-366). Das seit dem 1. Januar 2011 in Deutschland gültige Gesetz, abgekürzt als AMNOG,  hatte bereits in den letzten Jahren bedeutende Wirkungen auf die Verfügbarkeit von Psychopharmaka in Deutschland. Die weiteren Folgen des Gesetzes sind derzeit noch nicht vollständig absehbar, sie könnten aber langfristig sogar positiv nicht nur für die Psychopharmakotherapie, sondern für die gesamte Psychiatrie, sein. Der Artikel kann hier als PDF heruntergeladen werden.

Warum liest man hier im Moment so wenig von mir? Ich arbeite an einem ganz neuen Webauftritt, der eine viel umfassendere Perspektive auf unser Fach – und nicht nur auf dieses – geben soll. Dies wird noch etwas dauern, und so lange wird es hier leider nur spärlich Neues geben. Ich bitte um Verständnis!

Vortioxetin: Wie geht es weiter (in Deutschland)?

In meinen beiden Posts vom 3. Oktober 2013 und vom 15. Januar 2014 habe ich über das neue Antidepressivum Vortioxetin (Brintellix®) berichtet. Vortioxetin wurde von der europäischen Arzneimittelzulassungsbehörde EMA (European Medicines Agency) am 18. Dezember 2013 zugelassen, in Deutschland aber erst viel später – Anfang Mai 2015 – eingeführt.

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Neuzulassungen der FDA 2013

Wie in den vergangenen Jahren befasst sich ein Beitrag in der Februar-Ausgabe von Nature Reviews Drug Discovery mit den von der amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde FDA im Jahr 2013 zugelassenen Arzneimitteln (Mullard, Nat Rev Drug Discov 2014; 13: 85-89; zu dem entsprechenden Bericht für 2012 siehe meinen Beitrag vom 28. Februar 2013).

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Die innovativsten Medikamente der letzten 25 Jahre

In der Juni-Ausgabe von Nature Reviews Drug Discovery veröffentlichten Aaron Kesselheim und Jerry Avorn von der Harvard Medical School in Boston, Massachusetts, die Ergebnisse ihrer Umfrage unter Ärzten nach den innovativsten Medikamenten (eigentlich Medikamente, die die Arzneimitteltherapie am stärksten umgestaltet haben, im Original „the most transformative drugs“) der letzten 25 Jahre (Kesselheim und Avorn, Nat Rev Drug Discov 2013, 12: 425-431). Weiterlesen

Arzneiverordnungsreport 2012: Antipsychotika

Die Antipsychotika habe ich bisher in meiner Berichterstattung über den Arzneiverordnungsreport nicht behandelt, dies möchte ich heute nachholen. Diese wichtige Arzneimittelgruppe wird in dem Kapitel „Psychopharmaka“ behandelt. Wie schon in meinem Post vom 9.11.2012 dargestellt, leidet die Qualität des Kapitels sehr unter der unsachlichen und wenig wissenschaftlichen Darstellung der beiden Autoren Lohse und Müller-Oerlinghausen. Damit möchte ich mich hier nicht im Detail auseinandersetzen, sondern mich im Wesentlichen auf die Diskussion der Zahlen beschränken. Weiterlesen

Arzneiverordnungsreport 2012: Antidepressiva

Zunächst möchte ich auf meinen Post vom 9. November 2012 verweisen, in dem ich mich kritisch mit der zum Teil unwissenschaftlichen Darstellung des Kapitels „Psychopharmaka“ (Autoren: Lohse und Müller-Oerlinghausen) im Arzneimittelreport 2012 auseinandersetze. Heute möchte ich differenzierter auf die Gruppe der Antidepressiva eingehen.

Antidepressiva sind die mit großem Abstand am häufigsten verordneten Psychopharmaka. Weiterlesen

Arzneiverordnungsreport 2012: Was tut sich auf dem Arzneimittelmarkt?

Auch 2012 setzt sich der im Springer-Verlag publizierte „Arzneiverordnungsreport“ auf mehr als 1000 Seiten wieder in der gewohnt kritischen Form mit den Entwicklungen auf dem deutschen Arzneimittelmarkt im zurückliegenden Jahr auseinander (Schwabe und Paffrath 2012). In vier allgemeinen Kapiteln (Arzneiverordnungen 2011 im Überblick; Neue Arzneimittel; Nutzenbewertung von Arzneimitteln; Ökonomische Aspekte des deutschen Arzneimittelmarktes 2011) und 40 nach Indikationsgruppen geordneten Kapiteln wird Ärztinnen und Ärzten eine Fülle von wichtigen Informationen geboten, die der näheren Betrachtung wert sind.

Das Kapitel „Psychopharmaka“ wurde gemeinsam von dem Würzburger Pharmakologen Prof. Martin Lohse und dem emeritierten Berliner Pharmakologen Prof. Bruno Müller-Oerlinghausen verfasst. Sie besprechen diese in sechs Untergruppen: Tranquillantien, Antidepressiva (mit Lithiumsalzen), Neuroleptika, Psychostimulanzien, Mittel zur Behandlung von Alkoholfolgekrankheiten und pflanzliche Psychopharmaka. „Antidementiva“, „Sedativa und Hypnotika“ sowie „Antiepileptika“, die auch als Stimmungsstabilisierer in der Psychiatrie breite Verwendung finden, werden in eigenen Kapiteln besprochen. Mit diesen werde ich mich in späteren Postings befassen.

Bei der allgemeinen Darstellung des Verordnungsspektrums stellen die Autoren zunächst fest, Weiterlesen