Nalmefen – ein Opiatrezeptorantagonist zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit

Vor wenigen Tagen hat die europäische Arzneimittelzulassungsbehörde EMA (European Medicines Agency) den Opiatrezeptorantagonisten Nalmefen für die Behandlung der Alkoholabhängigkeit zugelassen. Die Substanz wird als Selincro® auf den deutschen Markt kommen, Hersteller ist die dänische Firma Lundbeck.

Nalmefen ist nicht der erste Opiatrezeptorantagonist, der zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit zur Verfügung steht. Anders als die Behandlung mit dem seit 2010 als Adepent® zugelassenen Naltrexon, das die Alkoholabstinenz zum Ziel hat, soll Nalmefen bei fortbestehendem Alkoholkonsum die Trinkmenge reduzieren. Die vollständige Abstinenz ist also nicht mehr das Therapieziel. Nalmefen soll bei Patienten mit Alkoholabhängigkeit, die einen fortgesetzt hohen Alkoholkonsum betreiben (> 60 g Alkohol täglich bei Männern und > 40 g Alkohol täglich bei Frauen), zur Reduktion der Trinkmenge führen. Es ist auch keine Dauertherapie notwendig, Patienten können das Arzneimittel einnehmen, wenn sie das starke Verlangen nach Alkohol verspüren. Die Behandlung mit Nalmefen soll in einen psychosozialen Gesamtbehandlungsplan eingebettet sein.

Nalmefen ist ein nicht-rezeptorspezifischer Opiatrezeptorantagonist, d.h. μ-, κ- und δ-Rezeptoren werden in gleichem Maße antagonisiert. Allerdings gibt es auch Hinweise für partiell agonistische Wirkungen am κ-Rezeptor. Die Substanz bindet mit höherer Affinität als Naltrexon an Opiatrezeptoren und hat eine längere Eliminationshalbwertszeit von ca. 10-12 Stunden. Die Lebertoxizität soll geringer ausgeprägt sein als beim Naltrexon. Beide Pharmaka sind strukturverwandt.

Nalmefen ist keine neue Substanz. Sie wurde zum Teil schon in den 90er Jahren klinisch geprüft (Mason et al., 1999). Es liegen mehrere doppelblinde, randomisierte, placebo-kontrollierte Studien vor. Niedrige Dosierungen (20 mg täglich) sind so wirksam wie hohe Dosierungen (80 mg täglich), die niedrigeren Dosierungen sind jedoch besser verträglich. So reduzierte Nalmefen in einer skandinavischen Studie (Karhuvaara et al., 2007) die Zahl der Tage starken Alkoholkonsums von 15,5 vor der Behandlung auf 8,6 bis 9,3 unter der Behandlung. In der mit Placebo behandelten Gruppe sank die Zahl der Tage starken Alkoholkonsums von 16,2 vor der Behandlung auf 10,6 bis 12,0 unter der Behandlung (p = 0,0065). Auch die Leberenzyme wurden in der mit Nalmefen behandelten Patientengruppe signifikant stärker gesenkt.

Unerwünschte Wirkungen sind Übelkeit, Schlafstörungen, Müdigkeit, Schwindel und Unwohlsein. In einer methodisch sauber durchgeführten Studie an gesunden Probanden zeigte Lundbeck jüngst, dass Nalmefen keine Auswirkungen auf die QTc-Zeit im EKG hat (Matz et al., 2011).

This post is also available in: Englisch

3 Gedanken zu „Nalmefen – ein Opiatrezeptorantagonist zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit

  1. Nalmefen wurde bereits in den 1970er Jahren entwickelt. Bayer hat es eine Zeit lang als Antidot bei Opiatüberdosierungen vermarktet. Revex® konnte sich hier jedoch nicht gegen Naloxon durchsetzen und 2008 stellte Bayer die Produktion ein.

    Demnächst kommt Nalmefen wieder auf den Markt, von einem anderen Hersteller in einer anderen Indikation. Das dänische Pharmazieunternehmen Lundbeck hat für Selincro® eine Zulassung erhalten.

    Anders als Naltrexon das zur Rückfallprophylaxe von Alkoholkranken eingesetzt wird, ist die Abstinenz nicht das Ziel der Therapie von Nalmefen. Die Indikation von Nalmefen ist die „Reduktion des Alkoholkonsums bei erwachsenen Patienten mit Alkoholabhängigkeit, deren Alkoholkonsum sich auf einem hohen Risikoniveau befindet“. Das Medikament kann Patienten begleitend zu einer psychosozialen Unterstützung verschrieben werden, wenn die Patienten eingesehen haben, dass ihr exzessiver Alkoholkonsum die Gesundheit ruiniert und zu einer Sucht mit körperlichen Entzugserscheinungen führen kann. Quelle: Ärzteblatt.de

  2. alter bekannter stoff in neuen kleidern, absolut nichts neues. aber bringt wahrscheinlich jede menge kohle in die kassen der pharma industrie. bei den massen von trinkern den es dreckig geht und verzweifelt suchen einen weg aus ihrer misere zu finden. in jeder zeitung wird werbung für die ach so neue pille gemacht, ein schelm wer böses dabei denkt………………..

  3. Hallo Leute, ich bin seit 9 Jahren trockener Alkeholiker. Leite seit 7 Jahren Selbsthilfegruppen und mache Prävention in Schulen. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass es ein kontolliertes Trinken für uns niemals geben wird!! Ich bin auch nicht für irgendeine Wunderpille!! Jeder Alkoholiker muß sich anstrengen für seine Abstinenz und es muß der eigene Wille sein, der uns dazu veranlasst nicht mehr zu trinken!! Da hilft nur eins: Arschbacken zusammenkneifen und dem Alkohol den Kampf ansagen!!! Ich grüsse alle, die dieses lesen und empfehle eine Selbsthilfegruppe die zu Euch passt. Damit habt Ihr für die Zukunft eine Chance, Sylvi

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *