Adasuve – das erste inhalierbare Antipsychotikum

Ende Februar hat die europäische Arzneimittelzulassungsbehörde EMA mit Adasuve das erste inhalierbare Antipsychotikum zugelassen. Bereits im Dezember 2012 hatte die FDA die Zulassung erteilt. Hersteller ist die amerikanische Firma Alexza Pharmaceuticals, den Vertrieb in Europa übernimmt die spanische Ferrer-Gruppe. Die Zulassung erstreckt sich auf die „schnelle Beherrschung von leichter bis mittelschwerer Agitation bei erwachsenen Patienten mit Schizophrenie oder bipolarer Störung“.Adasuve ist eine Kombination des von Alexza entwickelten Staccato-Systems – eines Inhalatorsystems zur Freisetzung eines Arzneimittelaerosols in die Lunge – und des Antipsychotikums Loxapin. Loxapin ist ein trizyklisches Antipsychotikum, das in den USA schon seit vielen Jahren im Gebrauch ist. Die Substanz wird den Antipsychotika der ersten Generation zugerechnet, obwohl einige Autoren ihr auch „atypische“ Eigenschaften zuschreiben. Wie die meisten trizyklischen Antipsychotika ist Loxapin nicht selektiv für D2- Dopaminrezeptoren. Sie antagonisiert auch H1-Histamin-, α1- und Acetylcholinrezeptoren. Damit treten alle unerwünschten Wirkungen auf, die man von einer Substanz mit dieser Charakteristik zu erwarten hat.

Adasuve kann in zwei Dosierungen verabreicht werden. Bei der Inhalation von 5 mg der Substanz erreichen 4,5 mg Loxapin den Patienten, bei Verabreichung von 10 mg sind es 9,1 mg Loxapin (orale Dosierungen erreichen bis 50 mg pro Kapsel). In der Regel wird mit der höheren Dosierung begonnen. Die Verabreichung ist streng reglementiert: Sie darf nur im Krankenhaus unter Aufsicht von medizinischem Personal erfolgen. Wegen der möglichen Bronchospasmen, die unter der Therapie beobachtet wurden, muss eine bronchodilatatorische Therapie mit einem kurzwirksamen Betasympathomimetikum verfügbar sein. Patienten müssen bis zu eine Stunde nach der Verabreichung von Adasuve auf das Auftreten von Symptomen eines Bronchospasmus beobachtet werden. Wenn eine erste Dosis von Adasuve nicht wirksam ist, kann nach zwei Stunden eine zweite Dosis verabreicht werden. Mehr als zwei Dosen dürfen nicht gegeben werden. Nach der Behandlung mit Adasuve sollen die Patienten eine reguläre Behandlung erhalten.

Brochospasmen treten unter der Behandlung relativ selten auf. Bei Patienten mit Asthma oder chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen ist mit dieser Komplikation jedoch häufiger zu rechnen.

Die Wirkung von Adasuve tritt sehr rasch, innerhalb von zehn Minuten ein. Damit tritt die Wirksamkeit so schnell wie bei intravenöser Verabreichung ein. Maximale Plasmakonzentrationen sind schon nach zwei Minuten zu messen (Spyker et al., 2010). Die Zulassung beruht auf zwei doppelblinden, placebokontrollierten Studien an jeweils mehr als 300 Patienten, einmal bei Patienten mit Schizophrenien (Lesem et al., 2011; n = 344), einmal bei Patienten mit bipolaren Störungen (Kwentus et al., 2012; n = 314).

Adasuve soll sowohl in den USA wie auch in Europa im 3. Quartal 2013 verfügbar sein. In Deutschland wird Adasuve von Trommsdorff Arzneimittel vertrieben, die zur Ferrer-Gruppe gehören. Der Preis ist noch nicht bekannt.

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