Psychiaterinnen und Psychiater für eine bessere Welt

Am 7. Juli 2016 ist das neue Studierendenmagazin “Der Student” erschienen. Das Magazin erscheint als Printversion  und ist online (www.the-student.eu) verfügbar. Die Herausgeber haben mich um einen Gastbeitrag für ihre Erstausgabe gebeten, den ich hier in identischer Form wiedergebe. Man beachte, dass die orthographischen Fehler im Titel von den Herausgebern eingeführt wurden, Druckfahnen lagen  mir bedauerlicherweise vor Drucklegung nicht vor. Hier ist der Text:

PSYCHIATERINNEN UND PSYCHIATER FÜR EINE BESSERE WELT

Auf dem Weg in eine Gesellschaft von depressiven Dicken?

Die Zahlen sind beängstigend. Seit 1988 hat die Zahl der Verordnungen von Antidepressiva in den USA um 400% zugenommen. Dort sind Antidepressiva bei Erwachsenen zwischen 18 und 44 Jahren – der Gruppe von Menschen, die mitten im Leben stehen sollten – die Arzneimittelklasse mit der dritthöchsten Verschreibungshäufigkeit. Nicht wesentlich besser sieht es in Europa aus. Im Jahr 2010 wurden hier für 1000 Einwohner 52 Tagesdosen Antidepressiva verschrieben. In Deutschland hat sich die Zahl der Verschreibungen von Antidepressiva zwischen 2004 und 2013 etwa verdoppelt. 2013 wurden für eine Bevölkerung von 80 Millionen Menschen mehr als 1,2 Milliarden Tagesdosen Antidepressiva verschrieben, das heißt, dass im Durchschnitt jeder Deutsche – vom Säugling bis zum Greis – an 15 Tagen im Jahr mit einem Antidepressivum versorgt war. Macht uns das zu einer gesünderen Gesellschaft? Die Statistiken der deutschen Krankenversicherungen zeigen das Gegenteil. So hat z.B. bei den Versicherten der DAK die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen zwischen 1997 und 2012 um 165% zugenommen. Im gleichen Zeitraum hat sich die Gesamtzahl der Arbeitsunfähigkeitstage kaum verändert, d.h., dass die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund somatischer Erkrankungen sogar abgenommen hat. Die Krankheitstage aufgrund eines „Burnout“-Syndroms (was für den Psychiater keine „offizielle“ Diagnose ist) haben sich in den letzten zehn Jahren sogar mehr als verzehnfacht. Nach Zahlen der WHO sind Depressionen die wichtigste Ursache für Beeinträchtigung der Lebensqualität; 350 Millionen Menschen sind weltweit betroffen. Auch die volkswirtschaftlichen Kosten sind enorm. Nach der „Gesundheitsberichterstattung des Bundes“ betrugen die Kosten aufgrund von psychischer Erkrankung im Jahr 2008 in Deutschland (neuere Zahlen sind nicht verfügbar) mehr als 28 Milliarden Euro. Mehr als fünf Milliarden Euro waren auf Depressionen zurückzuführen. Auch hier zeigen die Zahlen einen starken Anstieg an (2002: 3,9 Milliarden €; 2008: 5,2 Milliarden €), der sich bis heute kaum verlangsamt haben dürfte. Für die USA werden die jährlichen Kosten aufgrund von depressiven Störungen für 2010 sogar mit unglaublichen 210 Milliarden Dollar angegeben. Das ist ein Anstieg um 22% in nur fünf Jahren (2005: 172 Milliarden $).

Interessanterweise zeigen die Zahlen für die USA, dass nur etwa 38% der genannten Kosten auf die psychische Störung direkt zurückzuführen sind, der größere Anteil ist durch komorbide (= gleichzeitig vorhandene) Erkrankungen bedingt. Menschen mit Depressionen leiden nämlich zusätzlich sehr häufig an körperlichen Erkrankungen. So erhöht eine Depression auch das Risiko für Übergewicht (Body Mass Index, BMI > 25; als normalgewichtig gilt man mit einem BMI zwischen 20 und 25; BMI = Körpergewicht in kg dividiert durch Körpergröße in Metern) und Fettleibigkeit (Adipositas; BMI > 30), mit allen damit verbunden Konsequenzen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Herz-Kreislauf-Erkrankungen und erhöhten Risiken für Krebs- oder schlafassoziierten Erkrankungen. Umgekehrt ist Übergewicht mit einem erhöhten Risiko, an einer Depression zu erkranken, assoziiert. Zwischen beiden Störungen besteht quasi ein reziproker Link.

Neben depressiven Erkrankungen stellen Übergewicht und Adipositas die zweite, seit Jahrzehnten sich entwickelnde weltweite Epidemie dar, und ihre Entwicklung läuft der Depressions-Epidemie erstaunlich parallel. In vielen Industriestaaten hat sich die Prävalenz (= Krankheitshäufigkeit) der Adipositas in den letzten 50 Jahren nahezu verdreifacht (in den USA von 13% 1962 auf 36% 2010), und in den USA wurden die dadurch verursachten Kosten im Jahr 2008 auf 147 Milliarden Dollar geschätzt. Neuerdings wurde in einem renommierten medizinischen Fachjournal sogar die Hypothese geäußert, dass die dramatisch zugenommene Exposition der Weltbevölkerung mit Antidepressiva zur weltweiten Übergewichts-Epidemie beiträgt.

Wo könnte die Verbindung zwischen Depression und Fettleibigkeit sein? Eine Depression ist oft nicht nur Folge von chronischem Stress, sie ist auch von allen körperlichen Zeichen chronischen Stresses begleitet. Dazu zählt vor allem eine dauernde Aktivierung der sog. Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Stressachse, die zu chronisch erhöhten Konzentrationen des Stresshormons Cortisol führt. Cortisol aber beschleunigt die Fettspeicherung. Zudem finden sich sowohl bei Depression als auch bei Adipositas Zeichen chronisch entzündlicher Prozesse, die sich oft gegenseitig bedingen und teilweise aufschaukeln.

 

Prophylaxe als Königsweg zur Gesundheit

Heute ist klar, dass der Weg zu besserer psychischer und körperlicher Gesundheit nicht die Behandlung von bereits eingetretenen Gesundheitsstörungen ist. Ist eine Depression erst einmal entstanden, kann es mühsam und langwierig sein, diese zu überwinden, und das Risiko, dass nach einer depressiven Episode ein Rezidiv auftritt, ist nicht gering. Auch die damit verbundenen körperlichen Veränderungen, seien sie nun Ursache oder Folge oder (wahrscheinlich besser) die körperliche Seite der psychischen Erkrankung, lassen sich nur schwer eingrenzen, wenn sie erst einmal eingetreten sind. Das weiß jeder, der einmal versucht hat, ein erhöhtes Körpergewicht nicht nur zu reduzieren, sondern auch langfristig zu halten. Jeder einzelne kann heute jedoch durch einfache Veränderungen seines Lebensstils nicht nur sein Risiko für psychische und körperliche Erkrankungen reduzieren, sondern auch sein alltägliches Wohlgefühl erheblich steigern. Selbst das Risiko, im Alter an einer Demenz zu erkranken, kann durch einfache Verhaltensänderungen deutlich gesenkt werden. Was ist zu tun?

Körperliche Aktivität: Schon regelmäßige leichte Bewegung setzt zahlreiche hormonelle und Stoffwechselprozesse in Gang, die nicht nur zur erhöhten Stoffwechselaktivität und besseren Gewichtsregulation führen, sondern auch das psychische Wohlbefinden erhöhen. Im Gehirn werden Botenstoffe freigesetzt, die schon ganz akut zu einem Wohlgefühl führen. Zudem steigen die Konzentrationen von Wachstumsfaktoren, die die Nervenzellen zur Neubildung von Synapsen (das sind die Verbindungsstellen zwischen Nervenzellen) anregen. Dies wiederum führt zu besserer geistiger Leistungsfähigkeit und reduziert die Risiken für Depression und Demenz. Es ist durch zahlreiche Studien belegt, dass schon regelmäßiges Spazierengehen das Demenzrisiko senkt.

Ernährung: Wir wissen heute auch sehr sicher, dass eine pflanzenbasierte Ernährung, die arm ist an tierischem Fett und Fleisch, nicht nur zu besserer körperlicher Gesundheit führt, sondern auch mit besserer geistiger Leistungsfähigkeit und erhöhtem Wohlbefinden assoziiert sind. Die Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas wird ebenso reduziert wie die von Diabetes mellitus und Herz-Kreislauferkrankungen. Auch für viele Krebsarten wurde gezeigt, dass ihre Auftretenshäufigkeit durch Ernährungsfaktoren beeinflusst wird. Viele Krebsarten kommen bei Völkern, die sich überwiegend pflanzlich ernähren, zum Teil erheblich seltener vor als in Gesellschaften, in denen der Fleischkonsum Zeichen des sozialen Wohlstandes ist. Ungesättigte Fette aus Nahrungsmitteln, die von Tieren gewonnen werden, erhöhen den oxidativen Stress auch von Nervenzellen, was zu deren schlechterer Energieversorgung und einem Abbau synaptischer Verbindungen führt. Inzwischen liegen auch Studien vor, die zeigen, dass die Kalorienrestriktion ganz allgemein – also unabhängig von der Art der zugeführten Nahrung – zu besserer körperlicher Gesundheit und erhöhter kognitiver Leistungsfähigkeit führt.

Meditation: Verschiedene Meditationstechniken haben nachgewiesene positive Wirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit und die kognitive Leistungsfähigkeit. In dieser Hinsicht besonders gut untersucht sind sog. achtsamkeitsbasierte Verfahren wie die Mindfulness-based Stress Reduction (MBSR). In den letzten zwei Jahrzehnten wurden intensive wissenschaftliche Anstrengungen unternommen, die Neurobiologie der Achtsamkeitsmeditation zu untersuchen. Ihr kommt nicht nur ein Wert als therapeutische, sondern vor allem als prophylaktische Technik zu. Die Wirkung von Meditationstechniken auf Stressresistenz und Emotionsregulation sollten nicht unterschätzt werden.

Jeder Einzelne hat also erhebliche Möglichkeiten, nicht nur seine körperliche, sondern gerade auch seine psychische Gesundheit und kognitive Leistungsfähigkeit positiv zu beeinflussen. Doch reichen diese Maßnahmen, die das Individuum für sich selbst treffen kann, aus, um uns als Gesellschaft gesünder zu machen?

 

Von der individuellen Vorbeugung zur gesellschaftlichen Aufgabe

Der Mensch ist einerseits ein Subjekt mit seinen je individuellen Besonderheiten, die es zu entwickeln und – das wird gerade in unseren westlichen Gesellschaften betont – auch ganz besonders hervorzuheben gilt. Andererseits ist er auch Teil eines sozialen Systems, in das er eingebettet ist und das seine psychische und körperliche Gesundheit in nicht zu unterschätzendem Ausmaß bestimmt. So sind Depressionen und Angsterkrankungen bei Menschen, die in Städten leben, um 20-40% häufiger als bei ländlichen Bevölkerungen. Das Risiko, an einer Schizophrenie zu erkranken, ist bei Menschen, die in der Großstadt geboren oder aufgewachsen sind, sogar doppelt so hoch wie bei Menschen, die auf dem Land oder in kleinen Städten herangewachsen sind. Hier scheint sogar eine Korrelation zwischen Risikoerhöhung und der Größe der Stadt zu bestehen. Städte stellen für ihre Bewohner ein Umfeld mit erheblich größerem sozialen Stress und größerer sozialer Ungleichheit dar. Die hierdurch bedingten Probleme werden in den nächsten Jahrzehnten eher zunehmen. Im Jahr 2050 werden mehr als zwei Drittel der Weltbevölkerung in (sehr großen!) Städten leben. Hier sind nicht nur Politiker und Stadtentwickler, sondern auch Ärzte, und hier gerade auch Psychiaterinnen und Psychiater, gefragt, um künftige Lebenswelten zu gestalten, die ihren Bewohnern eine lebenswerte und stressarme Umwelt bieten, die ein Leben in körperlicher und psychischer Gesundheit erlauben.

Zur Gestaltung von solchen lebenswerten und stressarmen Lebenswelten zählt auch die Schaffung von neuen und besser mit menschlichen Bedürfnissen kompatiblen Arbeitswelten. Nicht nur die dramatisch ansteigende Zahl von Menschen, die von dem sog. „Burnout“ betroffen sind, zeigt, dass immer mehr Berufstätige von einer immer mehr an Komplexität, Arbeitsverdichtung und Beschleunigung zunehmenden Arbeitsumgebung überfordert sind. Nach dem Gesundheitsreport 2015 der Techniker Krankenkasse sind Antidepressiva bei Studierenden die am dritthäufigsten verordnete Medikamentenklasse, und die Zahl ihrer Verordnungen hat zwischen 2006 und 2014 um mehr als 40% zugenommen. Antidepressiva sind einige der wenigen Medikamentengruppen, die von Studierenden häufiger eingenommen werden als von gleichalten Erwerbstätigen. Studierende suchen auch häufiger Psychologische Psychotherapeuten auf als gleichaltrige Erwerbstätige. Der „Spiegel“ titelte 2011: „Ausgebrannte Studenten: Lost in Perfection“, und schrieb: „Prüfungsdruck, Zukunftsangst, Perfektionswahn – der Uni-Stress nimmt zu, viele Studenten fühlen sich überfordert. So brennen die Hochqualifizierten von morgen aus, bevor sie ihre Karrieren überhaupt gestartet haben.“ RP-online titelte 2013: „47 Prozent aller Bachelorstudenten kämpft mit Erschöpfung und dem Gefühl der Überforderung.“ […] „Die Leistungsanforderungen der Gesellschaft seien längst im Studium angekommen, […] Wirtschaft, Studium und Arbeitsleben gleichen sich zunehmend an, das Studium sei jetzt ähnlich wie später der Job.“

Wollen wir unsere Zukunft nicht nur in Wohlstand, sondern auch in Gesundheit und Wohlbefinden gestalten, so müssen wir neue (städtische) Lebens- und Arbeitswelten schaffen, die der menschlichen Natur (wieder) gerecht werden. Vor allem werden wir lernen müssen, dass Lebensentwürfe, die sich ausschließlich an Leistungssteigerung und Beschleunigung orientieren und oft schon im Kindergarten, spätestens aber in der Grundschule, kultiviert werden, weder das einzelne Individuum noch unsere Gesellschaften gesünder machen werden.

 

Bildung! Bildung! Bildung!

Die wichtigste Maßnahme, um jeden einzelnen Menschen körperlich und psychisch gesünder und unsere Lebens- und Arbeitswelten lebenswert und gesundheitsförderlich zu machen, ist die Investition in Bildung! Zunächst ernähren sich gebildete Menschen besser, sie bewegen sich mehr, sie sind zumindest körperlich gesünder und leben länger. Bildung reduziert jedoch auch sozialen Stress, sie erhöht die Anpassungsfähigkeit und Flexibilität, sie schafft Möglichkeiten, mit Konflikten und sich ständig verändernden Umweltbedingungen besser umzugehen. Vor allem aber schafft Bildung Einsicht – Einsicht in die Notwendigkeit, unser Erziehungssystem, unsere Schulen und unsere Universitäten so zu gestalten, dass aus Paukeinrichtungen Stätten der persönlichen Entwicklung und Kreativität werden; Einsicht in die Notwendigkeit, aus Arbeitsplätzen, die sich an der Maximierung des Outputs des Arbeitnehmers orientieren, Stätten der persönlichen Befriedigung mit Möglichkeiten der Einflussnahme und Teilhabe zu machen; Einsicht in die Notwendigkeit, unsere Städte von Ballungszentren maximalen sozialen Stresses zu Stätten der entspannten sozialen Interaktion und Kommunikation zu machen. Bildung reduziert Armut, und mehr Wohlstand führt zu besserer körperlicher und psychischer Gesundheit und zu mehr Wohlbefinden. Mehr Bildung für möglichst viele Menschen führt uns zu einer besseren Welt.

6 Gedanken zu „Psychiaterinnen und Psychiater für eine bessere Welt

  1. Guten Morgen, Herr Prof. Gründer!
    Heute habe ich zwei Nachrichten für Sie, eine gute und eine schlechte. Die gute: Es gibt sie schon, die “Gegenbewegung” zur fortwährenden Beschleunigung und Entmenschlichung unserer Gesellschaft und sie hält auch bereits in Kindergärten und Schulen Einzug! Vor wenigen Tagen habe ich im Rahmen des Programms “Meditation im Hochschulkontext – das Münchner Modell” den Film “Die Revolution der Selbstlosen” gesehen. Initiator der Veranstaltung war bzw. ist Prof. Dr. Andreas de Bruin. Wie wunderbar, dass es solche Menschen gibt. Einen kleinen Einblick in seine Arbeit gibt der folgende Link:
    http://www.sw.hm.edu/die_fakultaet/personen/professoren/bruin/vortraege_1.de.html

    Auch bin ich auf folgende Organisation gestoßen, die den gleichen Ansatz verfolgt:
    http://www.smmr.de/der-verein/

    Es gibt also Grund zur Hoffnung!

    Da war doch noch etwas? Ach ja: Die schlechte Nachricht.
    Sollte sich die Schulung von Achtsamkeit, Meditation und Yoga tatsächlich in unserer Gesellschaft implementieren, dann könnten wir wohl irgendwann auf eine Personengruppe gänzlich verzichten. Und zwar auf…

    … unsere Psychiater.

    Danke für Ihre Aufmerksamkeit und beste Wünsche für einen gelungenen Wochenstart,
    Anja v. Knobelsdorff

  2. Ich dachte bisher immer, und kenne es aus meine depressiven Phasen, dass man bei Depressionen keinen/kaum Hunger hat? Gewichtszunahmen sind mir als Fachkraft in der psychiatrischen ambulanten Pflege eher für (hohen Dosen) Antidepressiva (und Neuroleptika) bekannt. Diese Gewichtszunahmen fördern dann auch wiederum andere Krankheiten.

    Zitat: Neben depressiven Erkrankungen stellen Übergewicht und Adipositas die zweite, seit Jahrzehnten sich entwickelnde weltweite Epidemie dar, und ihre Entwicklung läuft der Depressions-Epidemie erstaunlich parallel.
    Erstaunlich parallel zur steigenden Anzahl der Verschreibungen von Antidepressiva und induzierten Stoffwechselstörungen, oder?

    Nach einem ausschleichenden Absetzen und einer Übergangszeit veranschieden sich Pfunde übrigens nach und nach. Dazu muss man natürlich ersteinmal ein langsames reduzieren begleiten.

    • Ohne dem Besitzer des Blogs vorgreifen zu wollen, ja, Antidepressiva und Antipsychotika haben leider appetitsteigernde Nebenwirkungen. Allerdings nimmt man auch an Gewicht zu, wenn man sich wohlfühlt und gesund ist, dagegen ab, wenn man depressiv oder psychotisch ist.

      Beides (“Übergewicht und Adipositas […] zweite weltweite Epidemie”) sind übrigens meiner Ansicht nach keine objektiven Befunde. Diagnosen werden von Ärzten in einem gesellschaftlichen Kontext gestellt, gerade psychische Diagnosen. Der seit 1990 stattfindende steile Anstieg der Antidepressiva-Verschreibungen kann auch in diesem Zusammenhang interpretiert werden. Ich beobachte seit einigen Jahren, dass viele Menschen mit ganz normalen Lebenskrisen zum Arzt gehen und dort natürlich eine Diagnose erhalten.

  3. Noch eine Bemerkung zum Thema Bildung: Das, was unsere Welt wirklich braucht, ist Herzensbildung. Eine Person kann sehr intelligent sein und scheinbar erfolgreich im Leben stehen, seelisch aber verkrüppelt bleiben. Was sie erst zum Menschen werden lässt, ist Herzensbildung. Diese wird jedoch leider nicht in der Schule vermittelt. Herzens- und Seelenkunde (das Eine bedingt das Andere) sollten obligatorische Schulfächer werden, und das weltweit, dann bestünde vielleicht eine Chance, die Welt “von unten her” zu verbessern. Und wer käme als Lehrer für diese Fächer in Betracht? Es müssten Menschen sein mit einem hohen moralischen Anspruch an sich selbst, dabei lebenserfahren und kundig der “philosophia perennis”, Humanisten im besten Sinn. Ja! Seelenkunde anstelle von Religionsunterricht könnte eine Wende einleiten, denn Wissen um die Seele ist die wahre, wirkliche Religion.

  4. Mir gefällt Ihr Artikel sehr gut, Herr Prof. Gründer. Dass die von Ihnen geforderten Verbesserungen unserer Lebensbedingungen allerdings auf dem Planeten Erde zu verwirklichen sind, bezweifle ich. Die Umstrukturierung der Städte erscheint mir – neben der Prophylaxe von depressiven Zuständen – dabei als das am wenigsten zu erreichende Ziel. Leider ist der Mensch so strukturiert, dass er notwendige Veränderungen meist erst dann einleitet, nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist. Auch müssten diese Veränderungen ja von denen initiiert werden, die heute von der Ausbeutung des Humankapitals profitieren. Das Umdenken muss an oberster Stelle einsetzen, doch sehen Sie dafür wirklich eine Chance?
    Momentan lese ich das Buch “Schicksal als Chance” von Thorwald Dethlefsen. Der Autor stellt die These auf, dass sich das Gesamtmaß an “Krankheit” innerhalb der Entwicklungsgeschichte der Menschheit letztlich immer auf demselben Niveau gehalten hat. Der Rückgang vieler physischer Erkrankungen durch Entwicklung von Wissenschaft und Medizin entsprach einer Zunahme an seelischem Leid. So wie ich Herrn Dethlefesen bisher verstehe, gehört die Krankheit zum Menschsein an sich, es sei denn, sie wird von innen her geheilt, d.h. durch spirituelle Weiterentwicklung.
    Zitat: “Solange man aber schläft, kann man unmöglich feststellen, daß man schläft. Solange man schläft, kann man auch nicht festellen, daß alle anderen schlafen. Solange man schläft, kann man die Wachen nicht erkennen. Man muß aufwachen – dann erst erkennt man schlagartig, daß man selbst geschlafen hat, daß fast alle anderen schlafen und daß es einige gibt, die wach sind.”

    Es grüßt Sie freundlich, Anja v. Knobelsdorff

  5. Jetzt traut sich wieder niemand zu fragen, welche orthographischen Fehler im Titel denn der Autor meint – oder bin ich der einzige mit einer üblen Mind-Blockade, der nicht erkennt, wo der Fehler ist?

    Ansonsten würde ich gerne diesen Blog ein wenig vom Sockel stoßen. Unser Glück und unser Lebenssinn hängen nicht alleine davon ab, dass wir immer fröhlich und schlank sind. Es gibt wichtigeres im Leben, als ständig hinter dem vermeintlichen geistigen Wohlbefinden und körperlicher Gesundheit hinterherzulaufen. Es gibt Probleme zu lösen. Es gibt andere Menschen und Nöte auf der Welt. Es gibt viel zu viele Aggressionen und Kriege.

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