Mäßige körperliche Aktivität reduziert das Demenzrisiko

In der neuesten Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Stroke konnte ein europäisches Forscherkonsortium, zu dem auch eine deutsche Gruppe gehört (Neurologische Klinik der Universität Heidelberg am Klinikum Mannheim), erneut zeigen, dass schon sehr mäßige körperliche Aktivität das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, deutlich senkt (Verdelho et al., Stroke 2012, im Druck).

In der LADIS (Leukoaraiosis and Disability) -Studie wird prospektiv die Bedeutung von computer- oder kernspintomographischen Veränderungen der weißen Substanz für die spätere Entwicklung von Behinderung untersucht. Leukoaraiosis beschreibt diffuse Auffälligkeiten der weißen Substanz, wie sie in CT- oder MRT-Untersuchungen oft als Zufallsbefund auch bei Gesunden beobachtet werden. In den letzten Jahren ist zunehmend klar geworden, dass solche Veränderungen bei Menschen mit vaskulären Risikofaktoren gehäuft auftreten und eine gewisse Bedeutung auch für die Entwicklung zerebrovaskulärer Erkrankungen und Demenzen zu haben scheinen.

In der jetzt erschienenen Publikation wurden 639 ältere Menschen mit einem mittleren Alter von 74,1 Jahren, die zu Beginn des Beobachtungszeitraums selbständig lebten (aber durchaus bereits kognitiv beeinträchtigt sein konnten), über einen Zeitraum von drei Jahren beobachtet. Alle Probanden wurden jährlich auf ihre kognitive Leistung untersucht und zu ihrer körperlichen Aktivität befragt. Eine Kernspintomographie wurde jeweils zu Studienbeginn und -ende, also nach dem dreijährigen Beobachtungszeitraum, durchgeführt. In der Ausgangsuntersuchungen hatten alle Probanden Veränderungen der weißen Substanz (44% leicht, 31% mäßig, 25% schwer). 30% hatten zuvor bereits einmal einen Hirninfarkt gehabt, 15% litten an einem Diabetes mellitus. 64% der Probanden waren zu Beginn der Studie körperlich aktiv. Für die Bewertung der körperlichen Aktivität wurde das Kriterium der amerikanischen Herzgesellschaft (AHA, American Heart Association) zugrunde gelegt. Danach gilt als körperlich aktiv, wer sich mindestens dreimal in der Woche für mindestens 30 Minuten bewegt.

Am Ende des Beobachtungszeitraums musste bei 90 Personen eine Demenz diagnostiziert werden (vaskuläre Demenz: 54; Alzheimer-Demenz mit vaskulärer Komponente: 34; frontotemporale Demenz: 2). Bei 147 Personen lag eine kognitive Beeinträchtigung ohne Demenz vor. Probanden, die zu Studienbeginn körperlich aktiv waren, hatten ein um etwa 40% geringeres Risiko, nach drei Jahren an einer Demenz erkrankt zu sein. Das Risiko, unter einer kognitiven Störung zu leiden, wurde durch die körperliche Aktivität um etwa 60% reduziert. Die Reduktion des Risikos war unabhängig von dem Vorliegen eines Diabetes  mellitus. Ebenso fand sich kein Zusammenhang mit dem Ausprägungsgrad der Veränderungen der weißen Substanz zu Studienbeginn oder dem Alter oder Ausbildungsstand der Probanden.

Frühere Berichte über Ergebnisse aus der LADIS-Studie hatten bereits gezeigt, dass schwer ausgeprägte Veränderungen der weißen Substanz mit einer schlechteren motorischen Leistung und mit einem erhöhten Risiko für Stürze einhergehen. Sie erhöhen auch das Risiko für die Entwicklung von kognitiver Beeinträchtigung und vaskulärer Demenz. Die jetzt vorgelegten Ergebnisse legen nahe, dass sich solche Entwicklungen durch körperliche Aktivität verzögern lassen.

Inziwschen liegen zahlreiche Studien zum Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und kognitiver Leistung im Alter bzw. dem Risiko, an einer Demenz zu erkranken, vor. Mit diesem Thema werde ich mich in weiteren Postings auseinandersetzen.

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