Antidepressiva reduzieren Suizidraten

Am 7. März 2013 habe ich unter dem Titel „Führen Antidepressiva zu Suizidalität und aggressivem Verhalten“ einen kurzen Beitrag zu der Frage veröffentlicht, ob die Behandlung mit Antidepressiva Suizidgedanken auslösen und damit evtl. sogar Suizide begünstigen kann. Die Diskussion ist unterdessen weitergegangen und hat sich auch in der Fachpresse widergespiegelt. Auch beim DGPPN-Kongress 2013 in Berlin gab es zu dem Thema ein Symposium, bei dem die Thematik zum Teil sehr emotional diskutiert wurde.

Im September 2014 habe ich zusammen mit meinen beiden geschätzten Kollegen Dr. Tanja Veselinovic und Dr. Michael Paulzen einen Übersichtsartikel in der Fachzeitschrift „Der Nervenarzt“ verfasst, den Sie hier herunterladen können (leider nur in deutscher Sprache).

Auch dieser Beitrag hat Widerspruch hervorgerufen. Einen Leserbrief von Prof. Dr. Tom Bschor, Berlin, und meine Replik darauf können Sie in Kürze ebenfalls im Nervenarzt lesen.

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4 Gedanken zu „Antidepressiva reduzieren Suizidraten

  1. Die in diesem Nervenarzt-Artikel sehr gründlich und differenziert geführte Diskussion über die Zunahme der Suizidalität unter SSRI ist ein typisches Beispiel dafür, dass man das Kind auch mit dem Bade ausschütten kann. Es ist erforderlich, alle Patienten vor allem in der Anfangszeit der Behandlung mit SSRI engmaschig auf Suizidalität hin zu untersuchen. Auf diese Therapie aber ganz zu verzichten, würde mehr schaden als nutzen.

    • Ich stimme absolut zu. Es gibt leider einige überkritische Stimmen, die mit ihrer industriefeindlichen Haltung letztlich unseren Patienten einen Bärendienst erweisen, denn diese werden nur verunsichert.

      • Wieso ist man “industriefeindlich” wenn man, wie Herr Bschor, die gegenwärtige Evidenzlage widergibt?

        Oder ist es für Patienten besser, wenn ein Psychiater “industriefreundlich” ist? Kommt er dann zu anderen, hilfreicheren Einschätzungen?

        Die Frage ist doch: Konnte gezeigt werden, dass eine antidepressive Therapie Suizidversuche verringert.
        Oder ist der umgekehrte Fall eingetreten?
        http://newsatjama.jama.com/2014/04/29/author-insights-higher-antidepressant-doses-increase-suicide-risk-for-young-patients/

        Die zweite Frage ist: Kommt es vor, dass SSRI in nicht-depressiven Patienten Suizidgedanken auslösen? Kennen Sie die Zulassungsstudien von Fluctin, Sertralin, etc.?
        http://www.depression-heute.de/vorurteile.html?id=15

        Sie unterstellen Menschen mit abweichenden Meinungen, dass sie sich nicht genügend mit der Materie beschäftigt haben.
        Aber ihre Überschrift: Antidepressiva reduzieren Suizidraten, klingt weder ausgewogen, noch überzeugend.

        • Herr Ansari hat einen wichtigen Punkt angedeutet, den Prof.Gründer auszublenden scheint : dass möglicherweise erhöhte Suizidalität neben unzureichend belegter Wirksamkeit für verschiedene Länderbehörden der Grund war, dass sie z.B. Fluoxetin ( Prozac in den USA) zunächst nicht zulassen wollten. Ein früherer Mitarbeiter von Ely Lilly beschreibt übrigens sehr packend in einem Buch, wie er in Schweden den Experten, der für diese Zurückhaltung der dortigen Zulassungsbehörde , offenbar verantwortlich war, schlussendlich bestechen konnte. Prof. Gründer erwähnt auch in seinem Artikel nicht , dass die Arzneimitttelkommission der deutschen Ärzteschaft schon vor vielen Jahren die suizidogene Wirkung von SSRI Antidepressiva anhand von Meldungena us dem deutschen Spontanerfassungssystem für Arzneimittelnebenwirkungen im Deutschen Ärzteblatt publiziert hat, nachdem sich der dafür zuständige Ausschuss der Kommission mit dem Thema ausführlich beschäftigt hatte. Diese kasuistischen Ergebnisse sind durch die publizierten Ergebnisse aus dem großen europäischen Nebenwirkungserfassungssystem für die Psychiatrie AMSP im Detail bestätigt worden. Auch hier fielen SSRI diesbezüglich deutlich mehr auf als die älteren sog. trizyklischen Antidepressiva.

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