Verordnung von Benzodiazepinen in Deutschland weiter rückläufig

Auch in diesem Jahr möchte ich wieder in einigen Beiträgen zur Entwicklung des Arzneimittelmarktes in Deutschland Stellung nehmen. Die Zahlen für 2012 wurden kürzlich im Arzneiverordnungsreport 2013 (Hrsg. U. Schwabe und D. Paffrath; Springer-Verlag 2013) vorgelegt. Heute berichte ich die Zahlen für Hypnotika und Sedativa einerseits sowie für Tranquilizer andererseits, das sind vor allem Benzodiazepine und die sog. Z-Substanzen (Zopiclon, Zolpidem, Zaleplon). Letztere kommen nur als Hypnotika zur Anwendung.

Sedativa und Hypnotika

Auch 2012 setzte sich der in Deutschland seit 1992 andauernde Trend rückläufiger Verordnungszahlen von Benzodiazepinen weiter fort. Waren es 2011 noch 34 Mio. DDD (defined daily doses; definierte Tagesdosen), so wurden 2012 nur noch 28 Mio. DDD verordnet. Das ist ein Rückgang um weitere fast 18%. 2003 waren noch 81 Mio. DDD verordnet worden.

Seit 2009 nehmen auch die Verordnungen der Z-Substanzen – allerdings deutlich langsamer – ab. 2011 waren 80 Mio. DDD verordnet worden, 2012 noch 77 Mio. DDD, das ist ein Rückgang um 4%. Pflanzliche Präparate spielen seit 2004 mit 3 Mio. DDD in Deutschland kaum noch eine Rolle.

Im Einzelnen verteilten sich die Verordnungen auf die folgenden wesentlichen Substanzen:

Benzodiazepine (Hypnotika-Indikation), Prozentangabe Vergleich zu 2011, Preisangabe Mittelwert verschiedener Generika:

Lormetazepam       10,6 Mio. DDD         -12,5%          € 0,37

Temazepam             5,3 Mio. DDD         -12,2%          € 0,68

Nitrazepam              3,3 Mio. DDD         +1,1%           € 0,36

Brotizolam                2,5 Mio. DDD         -11,7%          € 0,68

Flunitrazepam           2,3 Mio. DDD         -23,3%          € 0,56

Flurazepam              1,6 Mio. DDD           -9,5%           € 0,63

Triazolam                 1,0 Mio. DDD           -8,4%           € 0,62

Z-Substanzen:

Zopiclon                   45,7 Mio. DDD         -1,5%             € 0,67

Zolpidem                  28,9 Mio. DDD         -4,6%             € 0,64

Zaleplon hat mit seiner extrem kurzen Halbwertszeit praktisch keine Bedeutung. Eine gewisse Rolle spielen noch Chloralhydrat mit 1,1 Mio. DDD und Melatonin mit 1,3 Mio. DDD. Beide Präparate sind mit Preisen von € 1,11 bzw. € 1,08 jedoch teurer als die o.g. Substanzen.

Tranquilizer

Auch die Verordnung von Tranquilizern, das sind in erster Linie ebenfalls Benzodiazepine,  nimmt in Deutschland seit vielen Jahren kontinuierlich ab. Allerdings sind die absoluten Verordnungszahlen noch deutlich höher als bei den Benzodiazepin-Hypnotika. 2011 waren 119 Mio. DDD verordnet worden, 2012 waren es noch 111 Mio. DDD. Das entspricht einem Rückgang um immerhin knapp 7%. Das besonders langwirksame Diazepam ist in Deutschland leider immer noch das am zweithäufigsten verordnete Benzodiazepin. Sonst wird überwiegend auf die kurz- bis mittellang wirksamen Substanzen zurückgegriffen, die hinsichtlich ihrer Pharmakokinetik eigentlich zu bevorzugen sind.

Benzodiazepine (Tranquilizer-Indikation), Prozentangabe Vergleich zu 2011, Preisangabe Mittelwert verschiedener Generika:

Lorazepam              35,9 Mio. DDD          -10,7%          € 0,84

Diazepam                24,9 Mio. DDD           -7,2%           € 0,42

Bromazepam           15,6 Mio. DDD           -9,9%           € 0,53

Oxazepam               10,5 Mio. DDD           -1,1%           € 0,84

Alprazolam                 8,3 Mio. DDD           -1,3%           € 0,44

Dikaliumclorazepat      3,0 Mio. DDD           -9,9%           € 0,65

Der 5-HT1A-Rezeptoragonist Buspiron spielt mit einem Volumen von 0,9 Mio DDD bei einem Preis von € 1,28 praktisch keine Rolle.

Insgesamt zeigen diese Zahlen, dass man – anders, als das der deutschen Ärzteschaft gelegentlich vorgeworfen wird – der Verordnung von Benzodiazepinen bzw. auch Z-Substanzen durchaus kritisch gegenübersteht. Stellt man beispielsweise die Zahl der Verordnungen von Hypnotika der Prävalenz von Schlafstörungen gegenüber, so zeigt sich, dass nur ein Bruchteil der davon betroffenen Menschen mit einem Benzodiazepin oder einer Z-Substanz behandelt werden.

 

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2 Gedanken zu „Verordnung von Benzodiazepinen in Deutschland weiter rückläufig

  1. Sicher eine erfreuliche Tendenz. Allerdings bildet der Arzneiverordnungsreport nur die Verordnungen zu Lasten der GKV ab. Haben Sie Informationen, wie sich die Verordnung von Benzodiazepinen und Z-Drugs auf Privatrezept in den letzten Jahren entwickelt hat?

    • Das ist korrekt. Tatsächlich wird der deutschen Ärzteschaft vorgeworfen, dass sie zunehmend gerade die Z-Drugs auf Privatrezept verordnet. Das ist allerdings ein Vorwurf, der mit Zahlen nicht belegt ist. Belastbare Zahlen dazu gibt es leider nicht.

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