Aripiprazol-Depot: Zulassungsempfehlung in Europa

Am 19. September 2013 hat das Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP) der European Medicines Agency (EMA) gegenüber der EU-Kommission die Empfehlung der Zulassung von Aripiprazol-Depot ausgesprochen. Damit ist mit der Zulassung noch in diesem Jahr zu rechnen. Die amerikanische FDA hat das Depotpräparat bereits am 28. Februar 2013 als Abilify Maintena® zugelassen, in den USA ist es bereits verfügbar. In Europa wird man mit dem Markteintritt realistisch nicht vor Mitte 2014 rechnen können. Das Depot-Antipsychotikum wird einmal monatlich injiziert. Es stehen Dosierungen von 300 mg und 400 mg (als Trockenpulver, das mit sterilem Wasser vor der Injektion aufbereitet wird) zur Verfügung. Als Standarddosierung werden 400 mg einmal im Monat empfohlen, ggf. kann die Dosis auf 300 mg/Monat reduziert werden. Nach der ersten Injektion wird empfohlen, für 14 Tage Aripiprazol in oraler Form (10-20 mg täglich) zusätzlich zu geben, da die Absorption der Substanz aus dem Depot sehr langsam erfolgt. Maximale Plasmakonzentrationen werden 5-7 Tage nach der Injektion gemessen. Die terminale Eliminationshalbwertszeit beträgt 29,9 Tage nach Gabe der 300 mg-Dosis und 46,5 Tage nach Gabe der 400 mg-Dosis. Ein Steady-State stellt sich daher erst nach der vierten Injektion ein.

Wie bei der Verabreichung von oralem Aripiprazol sind bei der zusätzlichen Verabreichung von anderen Medikamenten ggf. Interaktionen zu beachten. Da Aripiprazol über CYP2D6 und CYP3A4 verstoffwechselt wird, muss bei Gabe von entsprechenden Inhibitoren (CYP2D6 z.B. Paroxetin, Fluoxetin; CYP3A4 z.B. Ketoconazol) die Dosis auf 300 mg/Monat reduziert werden. Gleiches gilt für CYP2D6 Poor Metabolizers. Wenn ein Poor Metabolizer mit einem Enzyminhibitor behandelt wird, muss die Dosis ggf. auf 200 mg/Monat reduziert werden. Im Zweifelsfall helfen Messungen der Plasmakonzentration. Kombinationen mit CYP3A4-Induktoren wie Carbamazepin sollten vermieden werden, da dann in der Regel keine ausreichenden Plasmakonzentrationen erreicht werden.

Die Wirksamkeit von Aripiprazol-Depot wurde in einer Studie über 52 Wochen gezeigt (Kane et al., J Clin Psychiatry 2012, 73: 617-624). 710 Patienten mit einer Schizophrenie, bei denen eine chronische Therapie für notwendig erachtet wurde, wurden zunächst über 4-12 Wochen auf oralem Aripiprazol (10-30 mg/Tag) stabilisiert. Patienten, die unter dieser Behandlung mindestens vier Wochen stabil waren (n = 576), wurden dann in eine zwölfwöchige, weiterhin offene, Depot-Behandlungsphase eingeschlossen, in der sie eine Injektion von 400 mg Aripiprazol-Depot alle vier Wochen erhielten. Eine Dosisreduktion auf 300 mg/4 Wochen war hier möglich. Patienten, die auch hierunter weiterhin stabil waren (n = 403), wurden dann im Verhältnis 2:1 auf das Depotpräparat oder Placebo randomisiert. Primärer Endpunkt war die Zeit bis zur Exazerbation  der Psychose bzw. zum drohenden Rückfall über einen Beobachtungszeitraum von 52 Wochen. Die Studie wurde vorzeitig abgebrochen, da schon eine Zwischenanalyse die Überlegenheit der Therapie mit dem Depotpräparat zeigte (p < 0,0001). Das Risiko, unter Placebo einen Rückfall zu erleiden, war etwa fünfmal höher als unter Aripiprazol (95%-Konfidenzintervall: 3,15 – 8,02). In der finalen Analyse war die Rate drohender Rückfälle in der Aripiprazol-Gruppe signifikant niedriger (10,0%, n = 27/269) als in der Placebogruppe (39,6%, n = 53/134). Die häufigsten unerwünschten Wirkungen unter Verum waren Unruhe, Schlafstörungen, Tremor, Kopfschmerzen und Schmerzen an der Injektionsstelle.

Die Verträglichkeit von Aripiprazol-Depot sollte vorher durch die orale Gabe der Substanz sichergestellt werden. Allerdings haben Potkin et al. (Curr Med Res Opin 2013, 29: 1241-1251) an einer Gruppe von 60 Patienten gezeigt, dass es auch möglich ist, Patienten Aripiprazol-Depot zu geben, die vorher auf einem anderen Antipsychotikum stabilisiert wurden. Ich persönlich würde dennoch davon abraten, denn wenn ein Patient die aripiprazol-typischen unerwünschten Wirkungen hat (v.a. Unruhe und Schlafstörungen), so werden diese nach der Depotgabe mit großer Wahrscheinlichkeit länger anhalten als nach Absetzen der oralen Medikation.

Aripiprazol-Depot wird gemeinsam von der japanischen Firma Otsuka und der dänischen Firma Lundbeck vermarktet.

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2 Gedanken zu „Aripiprazol-Depot: Zulassungsempfehlung in Europa

  1. GüntherSehr geehrter Prof. Gründer
    wir haben einen 30 jährigen Sohn, der seit ca. 12 Jahren an einer paranoide Schizophrenie leidet. Er hat sehr gut auf Clozapin reagiert (Erhaltungsdosis 250 mg). Vor zwei Jahre hat er eine Lehre als Tierpfleger angefangen, die ihm von dere Reha-Einrichtung “Christiani” in Albbruck vermittelt worden war. Im Dezember 2013 erreichte aber ihm die Nachricht, dass er die Lehre nicht weiter machen konnte, weil die Leiterin des Tierheims mit ihm nicht zufrieden war. Frustriert hat er verweigert seine Medikamente weiter zu nehmen und jetzt befindet sich wieder in der psychiatrischen Anstalt. Dort hat er eine Depotspritze Risperdal erhalten aber er verweigert das Essen. Gibt es ein Depot, der wie Clozapin sich positiv auf Appetit wirkt? Wie ist mit Aripiprazol? Würde er mit Aripiprazol, der bald als depot gibt, wieder essen wollen? Ist Aripiprazol Appetitanregend?
    Für eine Antwort von Ihnen bedanke ich mich im Voraus.
    Mit freundlichen Grüssen
    Anna Reinhardt

    • Sehr geehrte Frau Reinhardt,
      das Depot, das häufig mit einer Gewichtszunahme assoziiert ist, ist Olanzapinpamoat (Zypadhera). Aripiprazol führt deutlich seltener zu einer Gewichtszunahme. Es ist in der Regel nicht appetitanregend.
      Man muss von dieser (eigentlich unerwünschten) Wirkung aber die Wirkung auf die psychotische Symptomatik trennen. Die Tatsache, dass Ihr Sohn das Essen verweigert, mag auch daran liegen, dass Risperidon bei ihm nicht ausreichend wirkt.
      Mit freundlichen Grüßen
      Gerd Gründer

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