Neues Antidepressivum: Vortioxetin in den USA zugelassen

Am 30. September 2013 hat die amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde FDA die Zulassung von Vortioxetin (Brintellix®; früher Lu AA21004) zur Behandlung depressiver Störungen bekannt gegeben. Bei der europäischen EMA wurde die Zulassung im September 2012 beantragt. Mit der Zulassung in der EU sollte daher in Kürze zu rechnen sein. Die Substanz wurde auch bei der Generalisierten Angststörung (GAD) geprüft. Vortioxetin wird von Takeda und Lundbeck gemeinsam vermarktet.Vortioxetin hemmt mit hoher Affinität den Serotonintransporter (Ki = 1,6 nM), mit mäßiger Affinität auch den Noradrenalintransporter (Ki = 113 nM). Pharmakologisch grenzt sich die Substanz von den selektiven Serotoninrückaufnahmehemmern (SSRI) durch die Bindung an verschiedene Serotoninrezeptoren ab. Die Substanz antagonisiert Serotonin-5-HT1D-, 5-HT3– und 5-HT7-Rezeptoren. Sie wirkt als partieller Agonist an 5-HT1A– und 5-HT1B-Rezeptoren, wobei sie am 5-HT1A-Rezeptor fast als voller Agonist wirkt. Die Hersteller bezeichnen ihr Präparat daher als Serotonin-Modulator und –Stimulator.

Vortioxetin wurde gegen Placebo, Agomelatin, Duloxetin und Venlafaxin geprüft. Mehrere Studien bei Depression und GAD liegen bereits publiziert vor. Dabei handelt es sich überwiegend um placebo-kontrollierte Studien, in denen die Substanz in Dosierungen zwischen 2,5 mg und 5 mg gegeben wurde. In diesen niedrigen Dosierungen war Vortioxetin vielfach Placebo nicht überlegen. In der Presseerklärung der FDA wird auf das Vorliegen von sechs placebo-kontrollierten Studien verwiesen, in denen die Überlegenheit gegenüber Placebo gezeigt wurde. In einer weiteren Studie wurde die Rezidivrate gegenüber Placebo reduziert.

Auch eine PET-Studie wurde bereits publiziert. Hier wurden bei gesunden Probanden die Besetzungen des Serotonintransporters (5-HTT) und des 5-HT1A-Rezeptors gemessen. Die Besetzung des 5-HTT betrug bei der 2,5 mg-Dosis im Mittel nur 2%, bei Gabe von 60 mg stieg sie auf 97%. 80% des 5-HTT werden bei Dosierungen von etwa 20 mg blockiert. Die Autoren ziehen aus ihren Ergebnissen den Schluss, dass Dosierungen zwischen 20 mg und 30 mg täglich zu wirksamen Besetzungen des 5-HTT führen. Dies erklärt auch die nicht überzeugende Wirksamkeit von nur 5 mg täglich. In dieser PET-Studie konnte auch nach 30 mg Vortioxetin keine signifikante Besetzung des 5-HT1A-Rezeptors gemessen werden. Inwieweit die Bindung an diesen Rezeptor zu den klinischen Wirkungen beiträgt, bleibt daher unklar. Da die Substanz hier allerdings als partieller Agonist mit sehr hoher intrinsischer Aktivität wirkt, mögen nur wenige Prozent Rezeptorbesetzung für pharmakodynamische Wirkungen ausreichend sein. Nach der Presseerklärung der FDA wird Brintellix® in den USA als 5 mg-, 10 mg-, 15 mg- und 20 mg-Tablette verfügbar sein.

Die Packungsbeilage empfiehlt nun, die Therapie mit einer Einmaldosis von 10 mg zu beginnen, um bei Bedarf auf 20 mg zu steigern. Häufigste unerwünschte Wirkungen in den klinischen Studien waren Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung. In den USA wird – ebenso wie bei allen anderen Antidepressiva – in einer „Black Box“-Warnung darauf hingewiesen, dass Vortioxetin insbesondere bei jungen Erwachsenen bis zum Alter von 24 Jahren zu Suizidgedanken und –impulsen führen bzw. diese verstärken kann.

Die Bioverfügbarkeit von Vortioxetin ist mit 75% hoch. Maximale Plasmakonzentrationen (Tmax) werden nach 7-11 Stunden gemessen. Die Proteinbindung beträgt 98%. Die Eliminationshalbwertszeit ist mit im Mittel 66 Stunden sehr lang, ein Steady State wird erst nach etwa 14 Tagen erreicht. Die Elimination erfolgt überwiegend hepatisch über das Cytochrom P450 CYP2D6-Isoenzym. Wenn Vortioxetin also mit einem CYP2D6-Inhibitor (z.B. Bupropion, Fluoxetin, Paroxetin) kombiniert wird, sollte die Dosis reduziert werden. Umgekehrt macht die Kombination mit einem starken CYP2D6-Induktor (z.B. Rifampicin, Carbamazepin) eine Dosissteigerung notwendig. Nahrungsaufnahme hat keinen Einfluss auf die Pharmakokinetik von Vortioxetin. Es gibt keine pharmakologisch aktiven Metaboliten.

Vortioxetin darf nicht mit MAO-Inhibitoren kombiniert werden. Wenn ein irreversibler MAOH abgesetzt wird, muss 14 Tage gewartet werden, bevor die Therapie mit Vortioxetin begonnen wird. Nach Absetzen von Vortioxetin muss wegen dessen langer Halbwertszeit drei Wochen gewartet werde, bevor ein MAOH eingesetzt werden kann.

In Deutschland wird der Erfolg von Vortioxetin entscheidend davon abhängen, ob die Hersteller einen Zusatznutzen der Substanz gegenüber Vergleichstherapien nachweisen können. In Tiermodellen hat Vortioxetin kognitionsfördernde Eigenschaften (die mit dem 5-HT7-Antagonismus zusammenhängen könnten). Beim Menschen ist dies bisher nicht nachgewiesen. Eine solche Charakteristik würde der Substanz ein Alleinstellungsmerkmal verleihen, das die Hersteller bei den Preisverhandlungen im Rahmen des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG) in eine günstige Position versetzen würde.

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14 Gedanken zu „Neues Antidepressivum: Vortioxetin in den USA zugelassen

  1. ich habe bisher > sertralin brintillex < umzusteigen.
    nehme diese seit 14 tagen (10mg) und bekomme seitdem wieder furchtbare schmerzanfälle wegen der fybromyalgie.
    nun meine frage:" hilft brintallix auchgegen diese schmerzen, brauche ich nur noch ein wenig geduld?"

    • Sehr geehrter Herr Maschauer,

      bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich aus gesetzlichen Gründen solche Fragen nicht beantworten darf. Ich muss Sie bitten, sich damit an Ihren Psychiater bzw. Nervenarzt zu wenden.

      Mit freundlichen Grüßen

      Gerd Gründer

  2. leute ich habe es probiert und ich rate davon ab die erten 3 wochen geht es euch gut danach geht ihr am stock und nur das mittel doxepin wird euch dann helfen können als meine erfahrung macht was ihr denkt aber so ist es

    • Das “So ist es“ muss individuell betrachtet werden. Tut mir leid, wenn du es nicht verträgst. Wie gehst definierst du das am Stock gehen?
      Mir geht es sehr gut mit Vortioxetin, vlt. abgesehen von den Nebenwirkungen während der ersten Tage.

  3. ich bin über eine zeitung auf das medikament aufmerksam geworden .zur zeit nehme ich seroquel300 tavor12,5mg und dominal300 3stück .es hilft wenig ,macht mich agressiv und ich spüre mich selbst kaum noch .alles ist schlimm und schlimmer.das was ich fühle ist nicht lebenswert.ich würde gerne das medikament ausprobieren,alles würde ich tuen,damit ich wieder ein hauch von leben spüre .ich könnzte nur noch hilfe schreien.ich weiß nicht mehr weiter.

    • Mit der Verfügbarkeit von Vortioxetin ist in diesem Jahr, evtl. schon im Sommer, zu rechnen. Allerdings ist auch dies kein Wundermittel. Es scheint mir, dass Sie nicht ausreichend behandelt sind. Sie benötigen Hilfe, und das ist auch mit den heute schon verfügbaren Arzneimitteln möglich. Sie sollten dringend Ihren Psychiater aufsuchen. Gerne berate ich Sie weiter oder helfe Ihnen, eine Behandlung zu finden.

      • vielen danke für ihre antwort.man hat mir mal in der klinik gasagt ekt wäre auch ein option für mich und ich muss vom tavor weg.durch meine agressionen habe ich

        vielen dank für ihre antwort.durch die einnahme des tavors laeide ich auch des öfteren unter kontrollverlust schreie massiv und bin sehr agressiv.meine familie hält mich für vollkommen bescheuert.ambulant schaffe ich das nicht.ich funktioniere nur noch man hat mir mal angeboten ekt wäre was für mich.ich habe das gefühl ich renne und komme niergendwo an.bei den worten stelle dich nicht so an und wie oft willst du noch in eineklinik wenn ich nur daran denke fange ich an zu heulen. meine kinder meinen ,mein gott mama es ist doch nichts.für mich sind die negativen dinge so real.ich kann mir nicht einreden es sei alles gut.ich habe das gefühl alles draußen seien krieger die mir was antuen wollen und sehen wie schwach ich bin.

        • Mir erscheint auch eine stationäre Behandlung angeraten. Die stationäre Behandlung in einer psychiatrischen Klinik ist gar nicht so schlimm, wie man sich das gerne in der Öffentlichkeit vorstellt. Man kann Ihnen schneller helfen. Wo leben Sie?

          • das wäre schön nächste woche habe ich freitag einen termin im schlalabor birkesdorf da eine schlafapnoe festgestellt wurde.bwim ersten mal konnten sie keinen tiefschlaf und keine ztaumphase festestellen und keine sauerstoffsättigung.ich werde oft wach schnarche massiv was mich auch groggy macht .wie können wir einen termin vereinbaren wo müsste ich hin ich bin am ende meiner kraft und ich möchte mich für ihr entgegenkommen bedanken gleichzeitig mache ich mir wieder schuldgefühle.lieben dank

          • bei wem muss ich mich vorstellen?ich moss mich da nach meinen mann richten da die busverbindung ganz schlecht ist durch das tavor darf ich kein auto fahren.

          • mit wem muss ich sprechen wegen einer aufnahme.diese woche muss ich freitag zum 2ten mal ins schlaflabor nach birkesdorf wegen einer schlafapnoe,danach wärw ein termin möglich,so geht es mit mir nicht weiter .mein chaos in meinem kopf ist nicht mehr auszuhalten,ich schäme mich so

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