Supplementierung mit Folsäure und Vitamin B12 reduziert Negativsymptome bei Schizophrenien

In der Mai-Ausgabe von JAMA Psychiatry berichten Joshua Roffman und Mitarbeiter vom Massachusetts General Hospital in Boston die interessanten Ergebnisse ihrer multizentrischen Studie über die Wirkungen einer Supplementierung mit Folsäure und Vitamin B12 bei Patienten mit einer schizophrenen Störung (Roffman et al., JAMA Psychiatry 2013;70:481-489). Verschiedene Befunde weisen darauf hin, dass reduzierte Folsäure-Konzentrationen das Risiko, an einer Schizophrenie zu erkranken, erhöhen. So existiert eine Mutation im Gen für die Methylentetrahydrofolat-Reduktase (MTHFR), die bei Patienten mit Schizophrenien signifikant häufiger beobachtet wird als in der Allgemeinbevölkerung. Bei dieser Mutation ist an Stelle 677 ein Cytosin durch ein Thymin ausgetauscht (677C>T). Jede Kopie der Variante 677T reduziert die Enzymaktivität um 35%. Hungersnöte in den Niederlanden und China führten etwa zwei Jahrzehnte später zu einer Verdopplung der Inzidenz von schizophrenen Störungen, was die Vermutung nahelegt, dass die verminderte Einnahme von Folsäure während der frühen Entwicklung des ZNS das Schizophrenie-Risiko erhöht.

Folsäure ist ein B-Vitamin, das Methylgruppen für Methylierungsreaktionen (z.B. Synthese von Neurotransmittern und DNA) zur Verfügung stellt. Vitamin B12 ist ein Kofaktor der Methionin-Synthase. Diese remethyliert Homocystein zu Methionin, das wiederum zu dem Methylgruppendonor S-Adenosyl-Methionin umgesetzt wird. Obwohl Folsäure die entscheidende Rolle bei Methylierungsreaktionen zukommt, wurde im Rahmen der Studie auch Vitamin B12 supplementiert, um die Effekte einer Folsäure-Supplementierung nicht durch einen potenziellen Vitamin B12-Mangel  zu begrenzen.

Roffmann et al. behandelten nun in einer randomisierten, doppelblinden Studie 139 Patienten über 16 Wochen entweder mit 2 mg Folsäure und 400 μg Vitamin B12 (n = 93) täglich oder mit Placebo (n = 46). 121 Patienten wurden über die gesamte Studiendauer behandelt. Als Einschlusskriterien galten eine antipsychotische Behandlung von mindestens sechs Monaten Dauer in einer seit mindestens sechs Wochen stabilen Dosis sowie ein PANSS-Score (PANSS = Positive and Negative Syndrome Scale) von mindestens 60 Punkten. Die primäre Hypothese der Studie war, dass die Supplementierung mit Folsäure und Vitamin B12 zu einer signifikant größeren Verbesserung von Negativsymptomen führt als Placebo, und dass der Behandlungseffekt vom Genotyp abhängt. Neben dem Genotyp für die MTHFR wurden Genoytpen für drei weitere Enzyme, die den Metabolismus von Methylgruppen regulieren, untersucht: die Folathydrolase 1 (FOLH1), die Methionin-Synthase (MTR) und die Catechol-O-Methyltransferase (COMT).

Betrachtete am die Gesamtgruppe unabhängig von ihrem Genotyp, so sank der SANS-Score (SANS = Scale for the Assessment of Negative Symptoms) in der Gruppe der Patienten, die aktiv behandelt wurden, statistisch signifikant um 0,19 Punkte pro Woche, nicht jedoch in der Gruppe der mit Placebo behandelten Patienten (+ 0,02 Punkte pro Woche). Allerdings war der Unterschied zwischen den Gruppen nicht statistisch signifikant (Gruppenunterschied 0,21 Punkte/Woche, p = 0,15).

Wurden nun alle vier untersuchten Genotypen gemeinsam in die Analyse einbezogen, so wurden Negativsymptome (gemessen mit der SANS) in der aktiv behandelten Gruppe signifikant günstiger beeinflusst als in der Placebo-Gruppe (Folsäure/Vitamin B12: -0,17/Woche, p = 0.04; Placebo: +0,16/Woche, p = 0,18; Gruppenunterschied: 0,33/Woche, p = 0.02). Betrachtete man die Genotypen einzeln, so prädizierte nur der FOLH1-Genotyp die Veränderung der Negativsymptomatik. Träger des T/T-Genotyps profitierten signifikant von der Behandlung (Reduktion des SANS-Scores um 0,59 Punkte/Woche, p = 0,005), nicht jedoch Träger eines C-Allels (+ 0,09/Woche, p = 0,64). Dieser Unterschied war statistisch signifikant (p = 0,02). Auch Träger eines MTHFR-677T-Allels profitierten von der aktiven Behandlung stärker als von Placebo, jedoch war dieser Unterschied nicht statistisch signifikant. MTR- und COMT-Genotypen hatten keinen Einfluss auf das Therapieansprechen.

Die Folathydrolase 1 ist im Darmepithel lokalisiert. Sie beschleunigt den Transport von Folsäure aus dem Darmlumen in den Körper. Eine Mutation mit einem Basenaustausch von Thymin zu Cytosin an Stelle 484 (484T>C) führt zu einer Reduktion der Aktivität des Enzyms, was wiederum zu verminderten Folsäurekonzentrationen führt. Die niedrigaktive Variante 484C war in einer Studie an Patienten mit einer schizophrenen Störung mit gesteigerten Negativsymptomen assoziiert. Kontraintuitiv konnten in der jetzt publizierten Studie jedoch nur die Patienten von der Behandlung mit Folsäure profitieren, die homozygot für die aktive Variante des Enzyms waren. Möglicherweise ist für die Behandlung der Träger des 484C-Allels eine längere Behandlungsdauer notwendig, um gleichartige Effekte zu erzielen. In jedem Fall ist die dargestellte Behandlung ein interessanter Ansatz, solange andere wirksame Therapien für Negativsymptome im Rahmen schizophrener Störungen fehlen.

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2 Gedanken zu „Supplementierung mit Folsäure und Vitamin B12 reduziert Negativsymptome bei Schizophrenien

  1. Bei mir wirkt es auch sehr gut. Ich hatte nach einer schizophrenen Psychose sehr lange unter schwerer Negativsymptomatik bzw. Depressivität gelitten. Deutliche Besserung brachte bereits die Kombination Sertralin und Trazodon, dann habe ich vor einiger Zeit ein Vitamin-B-Komplex und Magnesium hinzugenommen. Seitdem bin ich nahezu symptomfrei und mir geht es ausgezeichnet.

    • Hallo Alexander,
      könntest du schreiben, von welchem Hersteller und in welcher Dosis du Vitamin-B-Komplex und Magnesium eingenommen hast.

      Danke
      i.g.

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