Raucherentwöhnung: Was hilft am besten?

In der Mai-Ausgabe von JAMA Psychiatry (ehemals Archives of General Psychiatry) berichten Paul Cinciripini und Kollegen von der University of Texas in Houston über ihre interessante Studie zur pharmakologisch gestützten Raucherentwöhnung (Cinciripini et al., JAMA Psychiatry 2013; 70: 522-533). Noch immer rauchen etwa 45 Millionen Amerikaner, 50% davon unternehmen pro Jahr einen ernsthaften Versuch, das Rauchen einzustellen, aber nur 6% davon schaffen es, über mindestens sechs Monate abstinent zu bleiben. Es besteht daher ein großer Bedarf an wirksamen Therapiemaßnahmen.

Cinciripini et al. schlossen 294 nikotinabhängige Probanden in ihre randomisierte, doppelblinde Studie ein. Sie erhielten für 12 Wochen entweder Vareniclin (ein hochselektiver partieller Agonist an α4β2-nikotinischen Acetylcholinrezeptoren; n = 86) oder Bupropion (ein Noradrenalin/Dopamin-Rückaufnahmehemmer, der möglicherweise auch antagonistische Wirkungen an α4β2-nikotinischen Acetylcholinrezeptoren entfaltet; n = 102) oder Placebo (n = 106). Über den gesamten Zeitraum erhielten alle Teilnehmer verhaltenstherapeutisch orientierte Beratungen (sechs persönlich Sitzungen von 30 Minuten Dauer, vier telefonische Beratungen von je 15 Minuten Dauer, gesamt 240 Minuten). Haupt-Zielgröße waren die Abstinenzraten zum Zeitpunkt der Beendigung der Pharmakotherapie (wobei verschiedene Definitionen von prolongierter und kontinuierlicher Abstinenz betrachtet wurden) und verschiedene Parameter des Nikotinentzugs wie Depression oder Gereiztheit.

Die Pharmakotherapie wurde 12-19 Tage vor Beenden des Nikotinkonsums begonnen. Vareniclin wurde in den ersten drei Tagen in einer Dosis von 0,5 mg verabreicht, an den Tagen 4-7 wurden zweimal 0,5 mg gegeben, um anschließend auf die Zieldosis von zweimal 1 mg/Tag zu steigern. Bupropion wurde an den Tagen 1-3 in einer Dosis von 150 mg verabreicht, um ab Tag 4 in der Zieldosis von zweimal 150 mg/Tag gegeben zu werden.

Beide aktiven Behandlungen waren signifikant wirksamer als Placebo. Zu allen betrachteten Zeitpunkten, d.h. bis zu sechs Monate nach Beendigung des Rauchens, war Vareniclin signifikant wirksamer als Placebo. Je nach Definition von Abstinenz waren sechs Monate nach Beendigung des Rauchens unter Placebo noch 14-18% der Probanden abstinent, unter Vareniclin noch 28-38%. Bupropion war signifikant wirksamer als Placebo, die Abstinenzraten waren jedoch nicht mehr signifikant niedriger nach sechs Monaten (unter Bupropion bei 23-27%). Die Abstinenzraten waren unter Vareniclin je nach Zeitpunkt zwischen 6% und 12% höher als unter Bupropion, jedoch waren diese Unterschiede nicht statistisch signifikant.

Probanden, die unter Behandlung mit Placebo ihre Abstinenz aufrecht erhielten, wiesen niedrigere Werte für Traurigkeit, Angst und negativen Affekt auf. Probanden, die unter Behandlung mit Vareniclin einen Rückfall hatten, berichteten einen geringeren Belohnungseffekt durch das Rauchen. Während bei Probanden, die Placebo oder Bupropion erhielten, Depressions-Scores bei abstinenten Personen niedriger waren als bei Probanden, die einen Rückfall hatten, traf dies nicht für Probanden zu, die Vareniclin erhielten. Bei letzteren hatten auch rückfällige Probanden niedrige Depressionswerte. Beide aktiven Medikationen beeinflussten die Konzentration besser als Placebo. Neuropsychiatrische unerwünschte Wirkungen wurden nicht beobachtet. Bei Probanden, die mit Vareniclin behandelt wurden, trat häufiger als ind en beiden anderen Gruppen Übelkeit auf, bei mit Bupropion behandelten Probanden wurden Schlafstörungen beobachtet.

Insgesamt untermauern die Ergebnisse dieser Studie Befunde aus Studien der Phase III, nach denen Vareniclin die derzeit wirksamste Substanz zur medikamentösen Unterstützung der Rauchentwöhnung ist. Auch verschiedene Begleitsymptome des Nikotinentzugs werden wirksam supprimiert. Zumindest bei Probanden, die keine neuropsychiatrischen Erkrankungen aufweisen, scheint Vareniclin nicht zu unerwünschten neuropsychiatrischen Wirkungen zu führen.

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