Mediterrane Ernährung reduziert das kardiovaskuläre Risiko

Der heutige Post hat nicht unmittelbar mit psychiatrischen Fragen zu tun. Da aber die kardiovaskuläre Fitness auch das Risiko für psychiatrische Erkrankungen – insbesondere Demenzen – erheblich beeinflusst, möchte ich heute über eine hochinteressante Studie aus dem New England Journal of Medicine vom 4. April 2013 berichten, in der der Einfluss einer mediterranen Ernährung auf das kardiovaskuläre Risiko untersucht wurde (Estruch et al., N Engl J Med 2013, 368: 1279-1290). In einer in Spanien durchgeführten randomisierten Multicenterstudie wurden 7447 Personen (57% Frauen), die bei Einschluss in die Studie nicht kardiovaskulär erkrankt waren, über median 4,8 Jahre beobachtet. Etwa ein Drittel der Probanden ernährte sich mit einer mediterranen Diät, die durch Olivenöl (extra-virgin) angereichert wurde und ein Drittel mit einer durch Nüsse supplementierten mediterranen Diät. Die Kontrollgruppe bekam die Instruktion, sich fettarm zu ernähren. Die Gruppen, die ihre mediterrane Ernährung durch Olivenöl bzw. Nüsse ergänzten, erhielten kostenlos einen Liter Olivenöl pro Woche bzw. 30 g Nüsse pro Tag (15 Walnüsse, 7,5 g Haselnüsse, 7,5 g Mandeln). Die Kontrollgruppe erhielt kleine Geschenke, jedoch keine Nahrungsmittel. Die Kalorienaufnahme war nicht beschränkt, und körperliche Aktivität wurde nicht besonders beworben. Primärer Endpunkt war eine aus Herzinfakt, Hirninfarkt oder Tod durch ein kardiovaskuläres Ereignis zusammengesetzte Variable. Sekundäre Endpunkte waren Herzinfakt, Hirninfarkt, Tod durch ein kardiovaskuläres Ereignis oder Tod jedweder Ursache.

Die Teilnehmer wurden regelmäßig individuell und in Gruppensitzungen geschult, sich an die folgenden Diäten zu halten:

Mediterrane Ernährung:

Empfohlen:

  • Olivenöl                                                           ≥ 4 Esslöffel/Tag
  • Baum- oder Erdnüsse                                     ≥ 3 Portionen/Woche
  • Frische Früchte                                               ≥ 3 Portionen/Tag
  • Gemüse                                                          ≥ 2 Portionen/Tag
  • Fisch (v.a. fetter Fisch), Meeresfrüchte             ≥ 3 Portionen/Woche
  • Hülsenfrüchte                                                  ≥ 3 Portionen/Woche
  • Sofrito                                                             ≥ 2 Portionen/Woche
  • Weißes Fleisch                                                anstelle von rotem Fleisch
  • Wein mit den Mahlzeiten (optional)                  ≥ 7 Gläser/Woche

Abgeraten:

  • Sodagetränke                                                  < 1 Getränk/Tag
  • Backwaren, Süßigkeiten, Gebäck                    < 3 Portionen/Woche
  • Streichfett                                                        < 1 Portion/Tag
  • Rotes und behandeltes Fleisch                        < 1 Portion/Tag

Fettarme Diät (Kontrollgruppe):

Empfohlen:

  • Fettarme Milchprodukte                                  ≥ 3 Portionen/Tag
  • Brot, Kartoffeln, Nudeln, Reis                          ≥ 3 Portionen/Tag
  • Frische Früchte                                               ≥ 3 Portionen/Tag
  • Gemüse                                                          ≥ 2 Portionen/Woche
  • Magerer Fisch, Meeresfrüchte                         ≥ 3 Portionen/Woche

Abgeraten:

  • Pflanzenöl (inkl. Olivenöl)                                 ≤ 2 Esslöffel/Tag
  • Backwaren, Süßigkeiten, Gebäck                   ≤ 1 Portionen/Woche
  • Nüsse, frittierte Snacks                                   ≤ 1 Portion/Woche
  • Rotes und behandeltes Fleisch                       ≤ 1 Portion/Woche
  • Sichtbares Fett in Fleisch und Suppen            immer entfernen
  • Fetter Fisch, Meeresfrüchte in Öl                    ≤ 1 Portion/Woche
  • Streichfett                                                      ≤ 1 Portion/Woche
  • Sofrito                                                            ≤ 2 Portionen/Woche

Die Probanden in der Gruppe, die Olivenöl supplementierten, wurden aufgefordert, nur das zur Verfügung gestellte Öl zu verwenden (mindestens 50 g/Tag, entsprechend etwa vier Esslöffeln), da dieses reich an Polyphenolen ist. Das übliche raffinierte Öl ist demgegenüber arm an Polyphenolen. Sufrito ist eine Sauce aus Tomaten und Zwiebeln, oft auch mit Knoblauch und anderen Gewürzen, die langsam mit Olivenöl geköchelt wird.

Die Teilnehmer waren bei Studienbeginn im Durchschnitt 67 Jahre alt (Bereich 55 – 80). 97% waren Weiße europäischen Ursprungs. Etwa 14% der Teilnehmer in allen Gruppen waren aktuell Raucher, 24-26% waren frühere Raucher. Sie waren im Schnitt übergewichtig, der mittlere BMI lag bei 30. Nur 7 bzw. 8% wiesen bei Studienbeginn einen BMI < 25 auf. Vaskuläre Risikofaktoren lagen in erheblichem Ausmaß vor: 82-84% hatten einen Hypertonus, 47-50% einen Typ II-Diabetes und 72-73% eine Dyslipidämie.

Die Probanden wurden insgesamt zwischen 9763 Jahre (Kontrollgruppe) und 11852 Jahre (Olivenöl) beobachtet. Pro 1000 Personenjahre traten in der Kontrollgruppe 11,2 Ereignisse auf, in den Gruppen, die sich mediterran ernährten, jedoch nur 8,1 (Olivenöl) bzw. 8,0 (Nüsse) Ereignisse. In beiden Gruppen traten damit statistisch signifikant weniger Ereignisse auf als in der Kontrollgruppe (Olivenöl vs. Kontrolle: p = 0,009; Nüsse vs. Kontrolle: p = 0,02). Hinsichtlich der sekundären Endpunkte reduzierte die mediterrane Ernährung die Zahl an Hirninfarkten signifikant (5,9 Ereignisse pro 1000 Personenjahre in der Kontrollgruppe; 4,1 Ereignisse in der Olivenöl-Gruppe, p = 0,03; 3,1 Ereignisse in der Nüsse-Gruppe, p = 0,003).

Insgesamt zeigt die Studie, dass eine mediterrane Ernährung, selbst wenn sie relativ spät beginnt, gegenüber einer fettarmen Ernährung das kardiovaskuläre Risiko um 30% reduziert. Ein PDF des Papers kann bei mir angefordert werden. Mit den kognitiven Effekten der mediterranen Diät, die die Autoren auch untersucht haben, werde ich mich in einem separaten Post auseinander setzen.

 

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